Webdesign in Guyana - Entwicklungshilfe übers Internet | 06.06.2004

eine Karte von Südamerika auf der  Guyana hervorgehoben ist Wo ist eigentlich Guyana? Wie auf der Landkarte leicht zu erkennen liegt Guyana im Norden Südamerikas. Guyana - früher Britisch Guyana - grenzt im Norden am Pazifischen Ozean, im Osten Surinam, im Süden Brasilien und im Westen Brasilien und Venezuela. Guyana zählt trotz seines Reichtums an Boden- und Naturschätzen zu den unterentwickelten Ländern der Erde.

Wie alles begann

Ich lese viel und oft auf Seiten begabter Webdesigner im Ausland, einer meiner Favoriten ist Dave Shea mit seiner Seite mezzoblue.com. Wie auch viele andere stellt er alle paar Tage ein paar besuchenswerte Links zusammen und veröffentlicht sie auf seiner Seite. Vor zwei Wochen habe ich den Titel »peace corps volunteer needs some design help ...;« gefunden und fand ihn auf Anhieb so interessant dass ich mir den Beitrag von Scott Stadum ganz durchlas.

Zusammengefasst stand dort dass er als Freiwilliger in Südamerika arbeitet und dort versucht als Berater den Leuten zu helfen. Es gibt dort Organisationen die viel von einer guten Onlinepräsenz profitieren würden aber kein Geld haben Designer zu bezahlen. So fragte er in seinem Weblog ob es da draußen in der Welt nicht ein paar Webdesigner geben würde die ein CSS Template für diese Organisationen entwickeln würden. Die Inhalte pflegen dann die Leute vor Ort selbst ein. Ich fühlte mich angesprochen und schrieb eine E-Mail.

Worum es dabei eigentlich geht

Peace Corps volunteer

The Peace Corps traces its roots and mission to 1960, when then-Senator John F. Kennedy challenged students at the University of Michigan to serve their country in the cause of peace by living and working in developing countries. From that inspiration grew an agency of the federal government devoted to world peace and friendship.

Die Peace Corps Freiwilligen kommen also aus Amerika und leben und arbeiten in Entwicklungsländern.. Dort helfen sie Firmen und Organisationen damit sie irgendwann auf eigenen Beinen stehen können und dem Wettbewerb standhalten können. Genau das gleiche macht auch Scott Stadum welchen ich angeschrieben habe.

Natürlich könnte er für sie innerhalb von ein paar Stunden eine Seite erstellen, schreibt er in einer E-Mail, aber das wäre am Ziel vorbeigeschossen. Es würde nichts bringen. Viel zu oft musste er erleben dass sie zusammen ein Geschäft aufgebaut haben, alles lief gut und nachdem er weiterreiste - um anderen zu helfen - brach alles zusammen und es blieben nur noch Trümmer übrig.

Nein es geht um »Hilfe zur Selbsthilfe«. Es bringt den Leuten dort nichts wenn sie Geld bekommen um für sich einen Webmaster aus Amerika oder Europa zu engagieren, nein man muss ihnen beibringen wie sie selbst - mit den Mitteln die ihnen zur verfügung stehen - etwas auf die Beine bekommen.

Ich persönlich habe bisher nur sehr selten für Länder in der dritten Welt gespendet. Man hört ja immer die Geschichten von skrupellosen Geschäftemachern die für die Verwaltung der Gelder so viel verlangen dass im Endeffekt von dem gespendetem Geld nur noch rund 5% ankommen. Und der Gedanke immer und immer nur zu spenden ohne dass es was helfen würde hat mich auch nicht gerade zum spenden animiert. Doch hier habe ich eine Chance erkannt direkt helfen zu können.

Meine Aufgabe bei der ganzen Sache

Meine Aufgabe bei dieser ganzen Sache war es die bestehende Seite neu zu gestalten. Ich sollte ein Template entwickeln, anhand dessen Webmaster in Guyana lernen können mit HTML und CSS umzugehen. Ein Template ist eine Vorlage mit Lücken (bzw. Lückenfülltext), welche dann mit Inhalten aufgefüllt werden kann.

Meine Ziele waren

  • professionelles Aussehen
  • schneller download
  • veränderbare Schriftgröße
  • unabhängig von Ausgabegerät bzw. Fenstergröße
  • gute Zugänglichkeit
  • gute Bildqualität
  • Formatierung möglichst vieler wahrscheinlich vorkommender Tags
  • genaue Kommentierung der Stylesheets

Die Entwicklung

Ich habe mich hingesetzt und mir zwei Tage nur dafür Zeit genommen. Ich habe es ganau so angegangen wie ein normales Projekt. Also erst das grundlegende Design aufgezeichnet, Farben ausgewählt, passende Bilder gesucht, alles aufgesetzt, verworfen noch einmal aufgesetzt, in allen erdenklichen Browsern getestet, mich über den Internet Exploerer geärgert, nachgebessert und so weiter. Bis es schließlich so weit war dass ich selbst zufrieden war.

Dann war das CSS Stylesheed dran kommentiert zu werden. Dies war ein hartes Stück Arbeit da ich normalerweise niemandem erklären muss warum ich diesen oder jenen Hack einsetzte, es soll einfach funktionieren. Bei diesem Projekt sollten aber andere Menschen daraus lernen. So habe ich es dann doch geschafft alles relevante so zu kommentieren dass diese Datei dann auch einigermaßen verständlich rüber kam.

Die Webdesigner in Guyana werden dann mit Scott das ganze durchgehen und versuchen für sich daraus zu lernen. Wenn sie verstanden haben wie es funktioniert werden sie nach und nach die Inhalte, die schon vorhanden sind, einpflegen. So entsteht aus meinem Template eine gute, zugängliche und professionelle Seite auf die sie selbst stolz sein können und mit der sie viele neue Kunden gewinnen werden.

Das Ergebnis

Vorher:

Screenshot der
     alten Homepage
Screenshot 126KB

Nachher:

neues Template
Für die Wissbegierigen hier ein Link zur CSS Datei.

Warum sollte man so etwas machen?

Man fühlt sich gut dabei

Die Leute denen man mit »Hilfe zur Selbsthilfe« auf die Beine hilft können irgendwann einmal ohne fremde Hilfe ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen. Es ist ein tolles Gefühl dann zu sich sagen zu können dass man ihnen dabei helfen konnte.

Kein Geld ausgegeben

Wir haben doch alle zu wenig Geld und jeder jammert darüber. Wenn man damit helfen kann was man selbst kann dann muss man keinen einzigen Cent aus der Haushaltskasse anrühren und man fühlt trotzdem dass man was für seine Mitmenschen tun kann.

Was bringt es mir persönlich?

Auch einem selbst kann so etwas weiterbringen. Ein abstraktes Beispiel ist Irland und die EU. Irland wurde als armes Land in die EU aufgenommen. Niemand konnte sich dort irgendwelche Waren aus dem teuren Ausland kaufen. Kein Land der EU hatte einen Vorteil davon dass Irland aufgenommen wurde und dort Fördergelder einflossen. Doch nach einigen Jahren blühte die Wirtschaft auf und der Lebensstandard hob sich auf das Niveau der übrigen EU Länder. Jetzt plötzlich konnte man viele Waren dort hin exportieren und mit den Menschen dort Geschäfte machen.

Genau so könnte es mit jedem anderen Land auf der Erde laufen, nicht nur mit jedem Land man kann sogar sagen mit jeder Firma auf der Welt. Wenn ich jetzt also jemandem in Guyana helfe, wird er dort mehr Erfolg haben. Wenn er mehr Erfolg hat kann er mich irgendwann engagieren damit ich wieder was für ihn mache. Warum sollte er auf jemanden anderen zugreifen wenn er mit meiner Arbeit zufrieden war? Es geht also auch darum mit einer guten Sache seinen Namen bekannt zu machen.

Was spricht dagegen?

Dagegen spricht natürlich auch einiges: Wer zahlt während dessen ich für die arbeite meine Miete? Wer zahlt mein Essen und Trinken? Wer versorgt meine Familie? So etwas kann man natürlich nur in seiner Freizeit machen.

Warum machst du so was nicht?

Ich sage nicht dass jetzt jeder loslaufen soll und in Guyana eine Firma suchen soll für welche er eine Seite machen kann. Nein auch hierzulande gibt es viele Leute die »Hilfe zur Selbsthilfe« benötigen und zwar in vielen verschiedenen Bereichen. Man muss nur die Augen offen halten und empfänglich für so etwas sein. Mit Geld kann man viel erreichen, mit Taten aber noch viel mehr.

Ich würde mich auch über ein paar von euren Geschichten freuen. Schreibt mir was ihr so gemacht habt oder noch vor habt zu tun.


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