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DRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRING,
DRRRRRRRRRRRRRRRIIIIIIIIIIIIIIIIIIIGGGGG
»Nein, nicht schon wieder!« Jürgen Kaschlowski, Hauptkommissar beim Morddezernat, der heute Morgen und gestern Abend und vorgestern auch schon einen über den Durst gesoffen hatte, realisierte, dass Telefone heutzutage nicht mehr klingeln, sondern polyphone Töne ablassen, so wie sich Nilpferdpissen anhören muss in etwa.
Dass Klingeln musste er sich in seinem Traum, wenn es denn einer war, zusammenphantasiert haben. »Also gut«. »Kaschlowski hier?«. »Arschlowski, hihi.«
Kaschlowski hasste die, sich immer wiederholenden platten Scherze seines Assistenten Müller. Dieser war immer gerissen genug, um nicht erwischt zu werden, zumindest nicht vor Zeugen, und wenn, hätte er bestimmt zwanzig Kumpane, die beschwören könnten, dass er grade, in der Kirche nebenan zwanzig Ave Maria gebetet hat, während er die Rosenkränze knubbelte, als er die Kerzen anzündete. »Also was soll's.« »Was haben wir Müller?« Müller kam, was ungewöhnlich für so einen dummdreisten Mobbingassistenten war, ins Stocken: »Äh, Chef, ich weiß nicht? Das müssen sie sich selbst anschauen!«



1 Anonym schrieb am 22.05.2005:
Kaschlowski bewegte sich träge in sein Badezimmer. Die Unordnung und mangelnde Hygiene nahm er zwar wahr, konnte sie aber, auf Grund jahrelang erprobter Praxis und damit erhöhter Toleranzschwelle geflissentlich übersehen.
Irgendwann würde er über die sich zusammenballenden Reste von gebrauchter Zahnseide, eingetrocknetem Shampoo und dem was sich sowieso nicht mehr eindeutig, außer in einer genauen kriminaltechnischen Untersuchung identifizieren ließe, stolpern, und mit seinem dadurch verursachten Ableben zu genau derselben, einen entsprechenden Anlass geben.
Fünf Minuten später saß er in seinem Wagen auf dem Weg zum Tatort. Müller hatte was von Teubergasse oder so geschwafelt. Das musste in der Altstadt sein. Irgendeine dumpfe Erinnerung versuchte sich in Kaschlowskis Hirn eine Bahn zu brechen, doch sie wurde vor dem Ziel von versoffenen Synapsen aus der Bahn geworfen und über einen Abhang geworfen, gegen den der Mariannengraben eine Sandkastenbuddelei war.
Schließlich sah er die Blaulichter der Einsatzfahrzeuge am Tatort. Die Absperrung, mit rot-weißer Banderole, so als wenn man einen Weihnachtsbaum mit Lutschern schmücken wollte. Das ganze Brimborium halt. Als er hielt und ausstieg, kam ein wichtigtuerischer Streifenpolizist, scheinbar grade von der Polizeischule weg, auf ihn zu, und geiferte ihn an: „Fahren sie weiter. Sie dürfen hier nicht halten.“
Kaschlowski nestelte in allen möglichen Taschen nach seinem Ausweis. „Bitte nicht. Ich hab diesen verfickten Scheiß Ausweis verlegt, versoffen, verkauft.“ Und dann fand er ihn doch, ...
2 Josef aus Stadt/Land/Fluss;) schrieb am 22.05.2005:
Sein Gegenüber nestelte ebenfalls an etwas, nämlich nervös an seiner Pistolentasche. Das Pickelgesicht fürchtete wohl Kaschlowski sei an den Tatort geeilt, um die Leiche zu stehlen und anscheinend hatte er die Hosen gestrichen voll und eignete sich so sehr zum Polizeiberuf wie eine Betschwester zum Kamikazeflieger. Als Kaschlowskis Dienstausweis schließlich direkt unter seiner Nase landete hatte der Uniformierte auch endlich seine Pistolentasche aufgekriegt, dafür aber seinen Mund nicht mehr zu.
Mit seiner Gesichtsfarbe hätte man ein Stoppschild erschrecken können.
3 josef aus Stadt/Land/Fluss;) schrieb am 22.05.2005:
Ohne ein weiteres Wort, von knallrot nach totenblass die Farbe wechselnd wie ein Chamäleon im Packeis, winkte in der Junge durch. Hob sogar die bonbonfarbene Banderole so hoch, dass er sich dabei wohl beinahe die Arme ausgerenkt hätte.
Im Hauseingang der Teubergasse Nr. 23 stand ein weiterer Polizist, doch für diesen brauchte er keine schusssichere Weste, noch musste er diesen von seiner Identität mittels Dienstausweis überzeugen. Kaschlowski und Schubert waren gemeinsam auf der Polizeischule gewesen, hatten Streifendienst geschoben und aus unerfindlichen Gründen hatte Schubert es nicht in den höheren Dienst geschafft. Sei es weil er nicht fähig war oder aber einfach zufrieden mit dem war, was er bis zum damaligen Zeitpunkt erreich hatte.
Schubert nickte ihm verständnisvoll zu, so als ahnte er, dass Kaschlowski den schwierigeren Teil innerhalb dieses Berufes übernommen hätte.
4 josef aus Stadt/Land/Fluss;) schrieb am 22.05.2005:
Im Hausflur wimmelte es von Gestalten, die in ihren Anzügen wirkten wie übergroße Maden, die sich daran machen sich einen satten und auch sättigenden Platz zu suchen, dabei waren es nur die Leute von der Spurensicherung in ihren weißen Anzügen.
5 josef aus Stadt / Land /Fluss schrieb am 25.05.2005:
Sie stapften durch den mit Marmor ausgelegten Hausflur wie ein Herde Wasserbüffel auf der Suche nach einer krokodilfreien Furt, da sie wohl grade dabei waren ihre Sachen zusammenzupacken und diesen Ort der Trostlosigkeit für längere Zeit zu verlassen. Vermutlich um sich wieder ihren vernachlässigten Frauen, Beziehungen oder eben ihren Goldfischen zu widmen.
Müller wuselte wie immer rum, zerstörte wahrscheinlich etliche Spuren mit seinem sabbernden Gesülze, dass er unablässig absondern musste, als stehe er unter einem Zwang, der sich nicht allein durch kleine Hirnmasse erklären ließe. Es musste irgendeine Art Mutation sein, die diese Rasse bestimmt in eine Einbahnstraße der Evolution führen würde, wenn Müller denn je zeugungsfähig werden würde.
Aber Kaschlowski hatte sich rückversichert. Müller war zeugungsunfähig. Das hatte ihm der Amtsarzt der damals die Einstellungsuntersuchung bei Müller durchführte, unter der zarten Zuhilfenahme gewisser Kenntnisse, die sich sich Kaschlowski wohlweislich im Vorhinein beschafft hatte, dann doch noch rausgerückt. Weil kein Arzt mag es gerne, dass jeder erfährt, was er seinen Patientinnen unter Hypnose oder Narkose so alles antat.
Auf jeden Fall könnte sich diese Kaulquappe von einem Assistenten nicht fortpflanzen, es sei denn, aber nein, um sich klonen zu lassen, fehlte Müller sowohl der Verstand, als auch das Geld.
6 josef aus Stadt/Land/Fluss schrieb am 28.05.2005:
Kaschlowski wandte sich wieder von seiner Fantasie ab und dem Tatort zu. Nur war die Frage wo eigentlich der Tatort war.
Müller wuselte immer wieder vor einer zweiflügeligen Tür rum und brummelte:"Ich versteh' das nicht. Ich versteh' das nicht."
Kaschlowski zögerte nicht lange und stieß mit einem Ruck die Tür auf.
Der Anblick der sich ihm bot, hätte beinahe das Frühstück das er drei Tage vorher eher zufälligerweise verzehrt hatte, wieder rematerialisiert.
Überall, an den Wänden, dem Boden, der Decke, waren vertrocknende Blutspuren in allen möglichen
Größen zu sehen und dazwischen unidentifizierbare graue organische Gewebeteile, und er ahnte es schon, dass dies wohl das ehemalige Gehirn eines ehemaligen Lebewesens gewesen sein mochte.
Aber das sollte die Gerichtsmedizin klären.
7 Anonym schrieb am 18.06.2005:
Und das tat sie auch schon fleißig. Wesen die aussahen wie Schmetterlingspuppen auf zwei Beinen, nahmen alles mit einer Videokamera auf, andere dieser Wesen kratzten diverse gräuliche Reste von der Tapete, auf dass sie im Labor ihren ehemaligen Körpereigner verraten mögen sollten. Naja, er wollte die Jungs nicht weiter stören.
Dass die zugehörige Leiche zu den Blutspuren fehlte, wunderte Kaschlowski denn doch etwas. Diese Sauerei deutete auf eine Hinrichtung hin. Es gab Paralleln zu diversen Mafiamorden. Aber die ließen die Leiche an Ort und Stelle liegen, damit auch jeder sehen konnte wie es einem ergeht, wenn er die falschen Koalitionen eingeht.
Das hier war anders.
"MÜÜÜÜÜLLLLer!" Kaschlowski hasste diesen Befehlston, aber anders war dieser Amöbe nicht beizukommen.
8 josef aus Stadt / Land/Fluss schrieb am 24.06.2005:
Müller, der wahrscheinlich grade auch dabei gewesen war, irgendwelche Koalitionen zu schmieden, wand sich wie ein ertappter Aal der grade dabei erwischt worden war, wie er in eine Körperöffnung geschlüpft war, in die er nun wirklich nicht reingehörte, näherte sich seinem Chef, und erschien dabei als wenn er sich nicht noch tiefer bücken könnte.
9 Anonym aus diogenes schrieb am 05.06.2007:
Kaschlowski bemühte sich seine Rachegefühle im Zaum zu halten und Müllers Gehirnbeitragen nicht mittels seiner Dienstwaffe, eine neue Designanregung zur vorhandenen Innenausstattung beitragen zu lassen und fragte anstatt dessen:"Müller, was haben wir hier?"
Müller, dienstbelissen, wie immer. Also wenn ein ihm vorgesetzter erschien und womöglich Zeugen in der Nähe waren, die er nicht zu bestechen imstande war, äußerte sich einsilbig: Hirn an der Tapete, aber die Leiche dazu fehlt uns. Ein Junge aus der Nachbarschaft hat uns alarmiert. Er hörte ein Geballer, das nicht zu seinem Egoshooter passte."