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Gourmetica Mentiri

An einem Freitag Nachmittag

Eingestellt am 19. May 2006 um 14:43 Uhr » Jeena Paradies

Freitag Nachmittag 13:20 Uhr kurz nachdem die Schule aus ist. Ich stehe In Schweinfurt an der Straße Richtung Schonungen und halte den Daumen raus. Ein Auto hält an. „Wo willst’n hin?“ fragt ein Spanisch aussehender Mann der wohl so um die 28 sein musste. „Richtung der B303“ antworte ich, „oder fahren Sie in Richtung Coburg?“. „Nach Schonungen kann ich dich mitnehmen“ sagt er und ich steige ein. Auf der kurzen Fahrt nach Schonungen, es sind etwa 7 km, erzähle ich ihm dass ich auf die BOS in Schweinfurt gehe, wo ich Wohne, und dass ich irgendwann Umwelt- und Versorgungstechnik studieren will. Er hört aufmerksam zu und als wir in Schonungen reinfahren sagt er: „Ich fahr bis zum anderen Ende von Schonungen, bis dahin kann ich dich mitnehmen.“ Ich stimme zu und bin froh noch ein wenig Zeit im warmen Auto verbringen zu können. Draußen ist es ja immerhin schon den ganzen Tag –1 Grad, und das das erste mal in diesem Winter. An der letzten Kreuzung in Schonungen hält er an, ich bedanke mich für das Mitnehmen und verabschiede mich höflich. Er fährt weiter und ich stelle mich wie gewohnt wieder auf die Straße.

Ich stehe ziemlich lange dort, und wundere mich warum denn wohl keiner anhält. Denn normalerweise muss ich nicht länger stehen als ungefähr 10 Minuten, bis mich jemand mitnimmt. Auf jeden fall hat es so weit ich mich noch erinnern kann über eine halbe Stunde gedauert, bis endlich ein schwarzer Astra, ziemlich neues Modell, angehalten hat. Ich mach die Türe auf, und frage den Typ, er wird wohl so an die 25 Jahre alt sein, ob er mich nicht Richtung Coburg mitnimmt. Er verzieht sein Gesicht, und ich merke schon dass es anscheinend nicht die Richtung ist in die er fährt. „Oder nach Hassfurt?“ Frage ich noch schnell nach. „Ja nach Hassfurt kannst du mitfahren.“ Sagt er, und ich steige ein. Wir fahren die Straße Richtung Hassfurt entlang. Diese kreuzt auch die B303 Richtung Coburg, also führt sie auch in Richtung Burgpreppach. Kurz vor der Kreuzung fragt er: „Wenn ich durch Hofheim fahre komme ich doch auch nach Hassfurt oder?“, „Ja.“ antworte ich zögerlich, „Ist halt für dich ein ziemlicher Umweg.“ Er setzt den Blinker nach links und fährt in Richtung Hofheim, auf die B303. Hofheim liegt so ca. 14 km vor Burgpreppach, und von dort aus geht auch eine Straße in Richtung Hassfurt.

Wir fahren so auf der 303, er sagt nichts, ich sage nichts. Die Musik ist ganz leise, und es läuft keine CD sondern das Radio, aber so leise, dass man nicht mal erkennt welches Lied gerade gespielt wird. Auf einmal höre ich so ein leises Geräusch, wie wenn man mit der Hand über Stoff hin und herfährt, wenn man fühlen will wie sich der Stoff anhört. Ich gucke mich um. Der Typ neben mir sitzt aufrecht im Sitz, die eine Hand auf dem Lenkrad, und die andere bequem im Schoß. Auf einmal bemerke ich, dass er sich die ganze Zeit mit dem Daumen über seinen Schritt streicht, und das macht dieses merkwürdige Geräusch. Ich guck mir den Typ an, er ist etwa so groß wie ich, hat schulterlanges blondes Haar, ist schlank und Schick gekleidet.„Schreck lass nach!“ Denke ich mir auf einmal, gucke auf die Tankanzeige, und sehe, dass er schon ziemlich auf Reserve fährt. Ich fange das überlegen an. „Scheiße, warum nimmt dich ein Typ mit, und fährt dich als Mann über einen extra großen Umweg, es sind ja bestimmt 15 km Umweg, nach Hofheim, obwohl es nicht mal sicher ist, ob er mit dieser Tankfüllung dann noch bis nach Hassfurt kommt. Der wird doch nicht Schwul sein? Nein, mir kann so was nicht passieren.“ Und ich verwerfe entspannt den Gedanken. Wir fahren weiter, und das Geräusch hört irgendwann einmal auf.

Nach einiger Zeit lehne ich mich vor und wärme meine Hände an der Autoheizung. Wie gesagt draußen ist es sau kalt, und mir wäre beinahe der Daumen abgefroren. Auf einmal fragt er mich: „Ey, hast du jetzt noch ein bisschen Zeit?“ Ich gucke ihn an und frage: „Wie..? Nein! Hab ich nicht, ich muss um 15:00 Uhr in Burgpreppach sein, das ist ja schon in ner halben Stunde, wir haben dort Bandprobe!“ Erzähle ich ihm, in der Hoffnung, dass er fragen wollte, ob ich ihm irgendwie beim tragen von irgendetwas helfen könnte. Aber ich weiß ganz genau was der Typ fragen wollte, ich hätte es mir ja denken können, wenn einer schon so was macht, und so aussieht, dann ist er auf jeden fall Schwul. Ich sitze ganz verkrampft im Autositz und denke dass das jetzt ein ziemliches „Nein“ war, und er mich einfach in Hofheim rauslässt, und das war’s. Aber scheiße war’s, bevor ich den Gedanken überhaupt zu ende denken konnte meldet er sich wieder zu Wort: „Hast du nicht ein bisschen Lust auf Sex?“ Ich gucke ihn an, „Nein ganz bestimmt nicht, 100% NICHT, und meine Frau ist da bestimmt auch ziemlich dagegen!“ Ich wusste schon nicht mehr was ich ihm noch erzählen sollte damit er endlich aufhört solche Fragen zu stellen. Und eigentlich dachte ich dass das jetzt schon saumäßig direkt war was ich gesagt hab, bei einer Frau akzeptiert man doch auch ein Nein, dachte ich wütend. „Sie muss es ja nicht erfahren.“ Sagt er ganz trocken zu mir, als ob das mein Problem wäre. „Nein, und zum letzten mal NEIN!“ antworte ich ganz energisch, und er gibt für einen Moment Ruhe. Ich atme auf, bin aber total verkrampft. „Scheiße, jetzt kann ich bestimmt zwei Tage lang nicht aufs Klo.“ Denke ich mir, und in dem Augenblick sagt der Typ: „Hast du dir schon mal einen Blasen lassen?“ „Nein! Und das will ich auch gar nicht! Damit das klar ist NEIN!“ antworte ich total geschockt und wütend. Darauf streicht er über die Außenseite von meinem Oberschenkel und sagt: “Bist du dir sicher?“ „Ja, ich bin mir ganz sicher 100%tig sicher!“ Schreie ich zurück. Endlich hat der Typ verstanden, was ich mit Nein meinte, und er gibt auf. Auf der Kreuzung zu Hofheim lässt er mich raus, und ich steige ganz hastig aus, ohne mich zu bedanken oder mich zu verabschieden. Danach überlege ich ernsthaft Heimzulaufen sind ja nur 14 km. Aber zum glück kam gerade eine Frau vorbei und hat angehalten, und mich mit nach Burgpreppach mitgenommen.


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