Google zahlt für neue Firefoxnutzer - einen Dollar für jeden neuen | 12. November 2005 um 17:54 Uhr / Censure

Eingestellt am 12. November 2005 um 17:54 Uhr » Censure

Gestern bekam ich eine E-Mail von einem meiner Kunden in der er mich fragte, was ich von der Idee auf http://explorerdestroyer.com/ halte, und ob wir das nicht auch auf seiner Seite einbauen könnten, bzw. sollten. Auf der Seite wird dafür geworben sich dem Google Partnerprogramm anzuschließen, in welchem Google für jeden neuen Firefoxnutzer einen Dollar zahlt. Ich fragte ihn was er sich vorstellen könnte, warum sich Google jeden neuen Nutzer so viel kosten lässt, seine Antwort:

I dunno, they hate Microsoft and want to weaken it, which include endorsing open source stuff… what's you take on this?

Zu deutsch: Sie hassen Microsoft und wollen es schwächen, was das unterstützen von Open Source Software mit einschließt.

Ich persönlich habe da eine ganz andere Theorie entwickelt, naja nicht ganz allein, sondern natürlich mit Hilfe anderer Seiten ;-).

Warum zahlt Google so viel?

Wenn man sich durch einen Partnerprogramm Link einen Firefox installiert wird dieser gleich mit eingebauter Google Toolbar geliefert. Es ist bekannt dass Google sehr gerne alle möglichen Daten sammelt und vor allem die Toolbar eines der besten Werkzeuge dafür ist.

Mit diesen Daten können sie wirklich »personalisierte Werbung« schalten, auf den User zugeschnitten. Das dies sehr viel mehr Geld einbringt sollte wohl klar sein.

Nun werdet ihr sagen: Aber es gibt doch auch diese Google Toolbar für den Internet Explorer? – Ja, aber da hat man schon alles ausgereizt, alle die diese Toolbar haben wollten haben sie schon, mehr IE Nutzer wird es wohl erst mal nicht geben die sie sich installieren. Wenn man sie aber von einem anderen Browser überzeugt werden sie die Toolbar ohne ihr wissen mitinstallieren und höchstwarscheinlich auch behalten. Man nutzt die Firefoxwelle für sich.

Außerdem hat Google die letzten Tage ein Patent für Personalization of placed content ordering in search results eingereicht:

A system and method for using a user profile to order placed content in search results returned by a search engine. The user profile is based on search queries submitted by a user, the user's specific interaction with the documents identified by the search engine and personal information provided by the user. Placed content is ranked by a score based at least in part on a similarity of a particular placed content to the user's profile. User profiles can be created and/or stored on the client side or server side of a client-server network environment.

Sie erstellen also Profile von Usern, die die Toolbar installiert haben und geben dementsprechend die Suchergebnisse aus, klasse, oder? Wie gesagt wird das wohl für Werbung auch genutzt, warum denn nicht? Nur wird die Werbung ja mittlerweile auf fast jeder zweiten Seite eingeblendet und nicht nur bei den Suchergebnissen. Ich beneide sie irgendwie um diese Idee, das passt wirklich alles zusammen.

Mit dem Patent will man aber wohl diese vorgehensweise für sich beanspruchen und vermeiden, dass es andere genau so machen können. Zumindest in Deutschland wird das wohl nicht so einfach sein, denn xwolf hat genau diese Vorgehensweise schon im Jahr 2002 in einem Vortrag vorgestellt (PDF 256kB), es wird also als neue Idee nicht mehr durchkommen können, wie er treffend in seinem Weblog anmerkt.

Will man Google dabei unterstützen?

Google ist das neue Microsoft, hörte ich schon öfters Leute sagen, und ich muss zugeben, dass das leider stimmt. Sie verhalten sich ganz genau so und haben eine ähnliche Monopolstellung in sachen Suchergebnisse und Werbe Partnerprogramme. Eigentlich gibt es fast nichts anderes als googeln und Google Ads, schaut euch mal um.

Um noch einmal zum Ausgangspunkt zurückzukommen, die Seite http://explorerdestroyer.com/ will also, dass ich ein Script auf meine Seite einbaue welches einem Internet Explorer Nutzer es nicht erlaubt meine Seite zu besuchen bevor er sich einen Firefox heruntergeladen hat. Wenn er das getan hat bekomme ich einen Dollar. Dafür bekommt Google ein genaues Profil dieses Nutzers und kann ihm in seinen Google Ads genau das auf jeder Seite bieten, was er sucht, nicht nur in den Google Suchergebnissen, nein auf allen Seiten auf denen Google Ads vorkommen!

Kein schlechtes Geschäft für Google, sie bauen ihre Monopolstellung im Werbesektor aus, lassen sich aber als Open Source Software Befürworter und David, welcher sich gegen Goliath (Microsoft) auflehnt, feiern. Dabei ist Google schon längst kein David mehr sondern ein zweiter Goliath.

Google + Microsoft

Was wäre eigentlich wenn sich Google und Microsoft vereinigen würden? Da wäre ganz schöne Macht dahinter, gegen die wohl sehr schweer anzukämpfen wäre. Ihr denkt vielleicht Die bekämpfen sich doch schon seit Jahren, das wird niemals passieren. Wirklich nicht? Warum eigentlich nicht, ich erinnere mal an ein paar große Verschmelzungen: Daimler + Chrysler, Krupp + Thyssen, Macromedia + Adobe. Haben die denn nicht eigentlich ein gemeisammes Ziel? Eigenlich würden sich die beiten perfekt ergänzen, denn so viel Überschneidungen im Wirkungskreis der beiden gibt es gar nicht.

Doch welche Suchmaschine soll man denn nutzen um sich politisch korekt zu verhalten? Google ist Monopolist, Yahoo unterstützt die chinesische Regierung in ihrem verachtungsvollen Umgang mit Menschenrechten, Alltheweb gehört Yahoo, genau so wie Altavista, und Seekport liefert noch ziemlich veraltete und unvollständige Ergebnisse. Was bleibt noch?

[update] Übrigens ist mir gerade noch eingefallen, dass ich die Kooperationen von Google mit Browsern gar nicht erwähnt habe. Opera hat einen Deal mit Google unterschrieben um die Werbung aus ihrem Browser zu verbannen und dennoch nicht dadurch unterzugehen, sie sind schon mal von Google abhängig. Ob die Mozilla Leute auch was bekommen, dass sie Google als Standardsuchmaschine für dieses kleine Eingabefeld einstellen und nicht etwa Yahoo, wie es Flock zum Beispiel macht?


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