Umweltfreundlicher Strom per default | 24. Februar 2010 um 09:16 Uhr / Censure
Ich bin gerade umgezogen und kaufe zum ersten mal in Schweden Strom selbst. Da wollte ich natürlich auch das leben was ich die ganze Zeit predige und meinen Stromanbieter wechseln, so dass ich auch wirklich keinen Atom- oder Kohlestrom kaufe.
Ich habe darauf hin Varberg Energi angeschrieben und konkret gefragt was ich machen muss, damit ich weiß was ich machen muss um zu jemanden zu wechseln, der nur Ökostrom liefert um eben diesen Zulieferer mit meinem Geld zu fördern.
Das habe ich gestern Nacht gemacht, heute früh hat mich dann der Kundendienst von Varberg Energi angerufen und mir erzählt dass sie nur Strom aus Wind- und Wasserkraft verkaufen, da sie sich darauf spezialisiert haben. Alle ihre Kunden automatisch nur Strom aus Regenerativen Energiequellen bekommen, ohne irgendetwas dafür machen zu müssen oder mehr bezahlen zu müssen.
Er meinte sie generieren 15% des Stroms selbst und kaufen den Rest auf dem Strommarkt von solchen Energieliferanten ein, die Ökostrom verkaufen.
Das finde ich wirklich sehr gut, Umweltfreundlichkeit per Default, nur so kommen wir aus der Umweltkriese! Ich wünsche mir dass mehr Firmen diesem Beispiel folgen.
Ich frage mich nur warum dann gerade wir hier ein Atomkraftwerk in unmittelbarer nähe von Varberg haben, obwohl kaum einer von uns diesen Strom nutzt.




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at schrieb am 25.02.2010
Strom wird nur zu einem geringen Anteil dort verbraucht, wo er erzeugt wird. Und während für viele private Nutzer der Verzicht auf fossile Brennstoffe und Atomenergie sicher eine Rolle bei der Wahl des Anbieters spielt, zählt vor allem bei Großverbrauchern in der Industrie hauptsächlich der Preis. Der ist aber dank politischer Großzügigkeit bei Atomenergie sehr günstig, weil weder deren Risiken noch die Entsorgung der Abfallprodukte in voller Höhe in die Kalkulation der Betreiber der Kernkraftwerke einfließen. Müssten die tatsächlichen Folgen in voller Höhe bezahlt und die Risiken vollständig versichert werden, wären sowohl Atomstrom als auch fossile Brennstoffe unrentabel. Bis aber die Politik die Weichen für eine verantwortliche Energiegewinnung stellt, kann man es in nennenswertem Maßstab nur machen wie du: Durch gezielte Nachfrage die Einkaufspolitik der Stadtwerke beeinflussen. Dafür vielen Dank.
Jeena Paradies aus Varberg / Schweden schrieb am 25.02.2010
Das kann man ändern: Bloom Box, wobei ich da noch nicht so richtig verstanden habe was daran so umweltfreundlich ist. Man kann es wohl auch mit Biogas nutzen aber so viel Biogas gibt es doch gar nicht?
at schrieb am 25.02.2010
Blockheizkraftwerke sind seit langem bekannt und in einigen Industriezweigen durchaus verbreitet, vor allem natürlich bei gleichzeitig hohem Wärmebedarf. Sogar Wohnsiedlungen teilen sich diese lokalen Kleinkraftwerke. Nur stellt diese Technik aufgrund des beträchtlichen Investitionsvolumens und ganz unabhängig vom verwendeten Brennstoff häufig keine gangbare Lösung dar, wenn Einzelne etwas tun wollen. Und das bei realistischer Betrachtung wohl leider auch auf längere Sicht. Zum Biogas: Das ist hauptsächlich ein Abfallprodukt der industriellen Landwirtschaft und damit -- vorsichtig ausgedrückt -- nicht ganz unkritisch. Generell ließe sich auch sehr viel mehr Biogas gewinnen, aber wirtschaftlich sinnvoll ist das derzeit wohl nur im Rahmen dieser Form der Landwirtschaft.
pernox schrieb am 06.03.2010
bloomenergy.com gibt offenbar einen Wirkungsgrad von 50% an.
Bei kleinen dezentralen Kraftwerken mit Kraft-Wärmekopplung sind wohl im Idealfall über 90% möglich, bei VW-Blockheizkraftwerken werden auch mal 94 Prozent erwähnt spiegel.de.
Jeena Paradies aus Varberg / Schweden schrieb am 06.03.2010
pernox, aber nicht für Strom sondern für Wärme, oder?
pernox schrieb am 09.03.2010
Strom und Wärme. Der Anteil an nutzbarer elektrischer Energie wird wohl, wenn ich richtig recherchiert habe, bei Verbrennungs-Motoren im Idealfall um die 40 % liegen, während Brennstoffzellen deutlich über die 50% kommen.
Allerdings sind die 50% der bloom-box doch wohl nur dann interessant, wenn die Wärme gar nicht nutzbar wäre, oder wenn irgendwelche Verluste bei Stromtransport oder -umspannung wegfallen.
Zum Vergleich des Wirkungsgrads bei reiner Stromerzeugung aus Gas mal die Angaben der Stadtwerke Düsseldorf mit ihrer Gas- und Dampfturbinenanlage: